Yoga-Haltungen für Einsteiger

Welche Posen und Übungen sollte man als Einsteiger machen?

Sonnengruss, Kindhaltung oder Herabschauender Hund… Welche Posen und Übungen eignen sich am besten für Einsteiger?

Hatha oder Yin? Nathalie zeigt dir, welches Yoga für Einsteiger ideal ist. Lerne sanfte Übungen, die perfekt zu deinen Fähigkeiten passen. Schnapp dir deine Matte, atme tief ein und starte entspannt deine erste Yogastunde. Du wirst dich grossartig fühlen – bereit für den Flow?

Wie heissen die Yoga-Haltungen?

Wenn man an „Yoga” denkt, hat man sofort die verschiedenen Positionen vor Augen. Sie sind auch unter dem Begriff „Asanas” in Sanskrit (klassische Sprache Südindiens) bekannt. Yoga wird traditionell überliefert, weshalb Yogalehrer:innen in der Regel Sanskritbegriffe verwenden, um diese verschiedenen Positionen zu bezeichnen.

Es gibt zahlreiche Haltungen, deren genaue Anzahl schwer zu bestimmen ist... es sind mindestens so viele wie der menschliche Körper Möglichkeiten hat! Zu den gängigsten gehören jedoch: der Berg, der Stuhl, der Baum, der Krieger, das Kamel, der Frosch, die Sphinx, der Schmetterling, der Kuhkopf, der herabschauende Hund, die Schlange, das Kind usw.

Was ist eine Yoga-Position?

Asanas - also Yoga-Haltungen - ermöglichen es, durch Körperübungen das körperliche, emotionale und geistige Gleichgewicht des Menschen wiederherzustellen. Wenn die Positionen mit der Atmung kombiniert werden, ermöglicht die Verbindung von beidem, im Hier und Jetzt zu sein. Das Erlernen dieses meditativen Zustands ist der Weg zu einem Zustand des Wohlbefindens, der als „Yoga” bezeichnet wird.

Nathalie, unsere Trainerin, erklärt, dass „Yoga in erster Linie ein Zustand ist. Man „ist” im Yoga - oder nicht.  Man sollte sich beim Yoga also nicht verletzen. Es geht darum, seine Grenzen nicht zu überschreiten”.

Wenn es beim Yoga nur eine einzige Position gäbe, wäre es die Meditationshaltung, der Lotussitz. - Du weisst schon, wenn man im Schneidersitz sitzt, den Rücken gerade, die Handflächen zum Himmel gerichtet - Sie gilt als Ursprung des Yoga. Alle anderen Haltungen dienen dazu, sich einzustimmen, aufzuwärmen und zu üben, um diese ultimative Position zu erreichen.

All diese Positionen lassen sich in sechs Kategorien einteilen:
- Standhaltungen wie Krieger I, II, III oder Dreieck.
- Gleichgewichtshaltungen wie Baum, Adler und Tänzerin.
- Umkehrhaltungen wie Herabschauender Hund oder Kerze.
- Vorwärtsbeugungen wie die Zange.
- Rückwärtsbeugungen wie die Kobra.
- Drehungen wie die Haltung des Weisen.

Wie kann man mit dem Sonnengruss ein umfassendes und einfaches Yoga absolvieren?

Im Hatha-Yoga - der ersten Form des Yoga - begegnet uns diese bekannte Abfolge von Haltungen: der Sonnengruss.

Sie befasst sich mit den wichtigsten Positionskategorien: Stand, Gleichgewicht, Umkehrung, Vorwärts- und Rückwärtsbeugungen. Die Abfolge ermöglicht es ausserdem, die Bauchmuskeln zu trainieren und Rückenschmerzen zu vermeiden.

Einige Haltungen werden im Stehen, andere im Sitzen oder auch im Liegen praktiziert. Der Sonnengruss mit seinen zwölf Haltungen ist eine gute Aufwärmroutine, um sich in seinem Körper wohler zu fühlen. Wenn du ihn am Morgen praktizierst, verleiht er dir Vitalität und Kraft. Am Abend sorgt er dafür, dass man den Tag hinter sich lassen kann.

Wie führt man also einen Sonnengruss in 12 Haltungen aus?
1. Gebet
2. Arme nach oben
3. Stehende Zange (Hände zu den Füssen)
4. Gruss des Kriegers (ein Knie nach vorne angewinkelt, Bein nach hinten gestreckt, Arm gestreckt auf dem Boden)
5. Stockhaltung (Körperspannung)
6. Acht-Punkte-Gruss (der Körper berührt den Boden an acht Kontaktpunkten)
7. Kobra (auf dem Bauch liegend, Oberkörper angehoben)
8. Herabschauender Hund (Hände und Füsse auf dem Boden, Gesäss nach oben)
9. Gruss des Kriegers
10. Hände zu den Füssen
11. Arme nach oben
12. Gebet

Nathalie erklärt, dass man mit dem Sonnengruss "eine vollständige Körperausrichtung anstrebt: Durch die Ausrichtung des Körpers wird auch der Geist ausgerichtet.  Das „HA“ in „Hatha“ steht für „solar“ und das ‚THA‘ für „lunar“. Die Praxis von Hatha-Yoga, insbesondere in Form des Sonnengrusses, soll also dazu beitragen, diese beiden Elemente in uns wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Welches Yoga eignet sich am besten für den Einstieg? Womit sollte man beginnen?

Unser Coach empfiehlt, mit Hatha-Yoga zu starten.

Warum? „Weil man beim Hatha 2 bis 3 Minuten in jeder der Haltungen verweilt. So hat man Zeit, sie zu spüren und zu erleben. Da man nicht dynamisch von einer Haltung zur nächsten übergeht, hat man Zeit, sich gut zu positionieren”. Für sie ist es die funktionellste Form, die sich an den Körper und die Fähigkeiten jedes Einzelnen anpassen lässt.

Je nachdem, ob man eher Stretching, Muskelaufbau oder Cardio-Training sucht, gibt es noch andere Arten von Yoga:

  • Yin-Yoga zur Verbesserung der Beweglichkeit. Diese Yogapraxis ist sanft, wobei sie dem Körper ermöglicht, in der Tiefe zu arbeiten. Yin wird nur am Boden praktiziert. Die Haltungen werden mithilfe von Blöcken, einem Gurt oder Bolstern (eine Art Kissen in Form einer Wurst) angepasst, um eine stabile und bequeme Position zu erreichen.
  • Ashtanga, um Muskeln aufzubauen und die Ausdauer zu trainieren. Ashtanga-Yoga ist sehr dynamisch. Es besteht darin, immer die gleiche Abfolge vorgegebener Haltungen durchzuführen. Diese Yogapraxis ist eher für sportlichere und erfahrenere Yogis zu empfehlen. Wenn du gerade erst anfängst und noch nie in deinem Leben eine Yogastellung eingenommen hast, könnte es schwierig werden, an einem Kurs teilzunehmen. Die Abfolge erfordert ein hohes Tempo, sodass weniger Zeit bleibt, um die Haltung einzunehmen. „In diesem Fall besteht ein erhöhtes Verletzungsrisiko“, mahnt Nathalie.
  • Vinyasia, ein kreativeres Ashtanga. Beim Vinyasia unterscheidet sich die Abfolge der Haltungen von Kurs zu Kurs und hängt von den Vorgaben und der Kreativität des Lehrers ab. Nathalie beschreibt es als „dynamisches Yoga - bei dem man ins Schwitzen kommen kann - mit reinigender Wirkung, wie eine Meditation in Bewegung“.
Für jeden körperlichen Zustand, jeden Bedarf und auch für jedes Alter gibt es geeignete Yogaarten: Iyangar, das auf die körperliche Ausrichtung spezialisiert ist; therapeutisches Yoga, bei Muskel-Skelett-Beschwerden und chronischen Krankheiten; Yoga für Frauen, mit Bezug auf das heilige Weibliche; Nidra-Yoga bzw. Schlaf-Yoga; Lach-Yoga; Yoga der Jahreszeiten usw. Jeder findet seinen eigenen Weg!

Wie werden Yoga-Haltungen richtig ausgeführt?

Man könnte glauben, dass man für eine gute Ausführung der Yoga-Haltungen eine sportliche Grundlage haben, flexibel sein, die Bauchatmung beherrschen oder auch muskulös sein muss... Ganz und gar nicht! Wenn jemand mit diesen Befürchtungen in ihren Kurs kommt, entgegnet Nathalie: „Gut, dass du hier bist, denn Yoga wird dich beweglich machen!

Beim Yoga geht es nicht darum, die Haltung perfekt und auf Anhieb zu erreichen, sondern um den Weg dorthin. So ist es z. B. schwierig, in der Haltung des herabschauenden Hundes mit den Fersen den Boden zu berühren. Unser Coach meint: „Entscheidend ist, dass man die Absicht hat, die Fersen zu erden, wenn man die Haltung ausführt. Die Flexibilität des Körpers ergibt sich aus der Flexibilität des Geistes”. Die Yogapraxis lehrt, loszulassen, sich abzugrenzen und Abstand zu sich selbst zu gewinnen. Es sind Stresszustände, die einen steifen Körper verursachen.

Tipps für die Ausführung von Yoga-Positionen als Einsteiger:

Tipp 1: Die Yoga-Ausrüstung. Wir haben es bereits gesagt: Yoga sollte nicht mit Schmerzen praktiziert werden. Es ist wichtig, dass du dich in den Posen wohlfühlst. Dafür ist spezielles Material sehr hilfreich. Blöcke als Erhöhung im Lotussitz, Gurte, um eine Drehung zu perfektionieren und Bolsterkissen für die Entspannung helfen, sich in den Posen wohlzufühlen.

Tipp 2: Die Yoga-Kurse. Zu Beginn ist es hilfreich, von einer Lehrerin oder einem Lehrer begleitet zu werden, um die richtige Körperhaltung zu erlernen. Bei Ausrichtungen wie der Kriegerhaltung ist es wichtig, jemanden zu haben, der die Körperhaltung korrigiert. Zur Not kann man die Übung auch vor einem Spiegel durchführen, sich selbst betrachten und sich entsprechend neu positionieren.

Tipp 3: Sich Bezugspunkte suchen. Bei den Gleichgewichtshaltungen hilft es, sich einen Bezugspunkt im Raum zu suchen, der die Konzentration unterstützt.
Kriegerstellung II: Blick auf den Mittelfinger,
Haltung des herabschauenden Hundes: Blick auf die Füsse,
Haltung der Kobra: Blick in Richtung Augenbrauen.

Tipp 4: Auf natürliche Weise atmen. Die Bauchatmung oder Pranayama ist eine Lehre für sich. Sie ist eine schwer zu erlernende Übungsform. Daher ist es für Hatha-Anfänger wichtig, sich auf die natürliche Atmung einzulassen. Das Experimentieren mit der Atmung erfolgt in der Liegehaltung über mehrere Atemzyklen.

Welche Übungen für den Einstieg ins Yoga?

Um mit Hatha-Yoga zu beginnen, empfiehlt unser Coach, die folgenden fünf Haltungen auszuführen: Herabschauender Hund, Krieger II, Zange, Kobra und halbe Wirbelsäulendrehung. Wir erläutern sie dir im Detail:

Haltung 1 / Herabschauender Hund

Optisch vermittelt diese Haltung den Eindruck, dass der Körper zwei Seiten eines Dreiecks bildet, wobei die dritte Seite der Boden ist. Die Hände liegen auf dem Boden, das Gesäss ist nach oben gerichtet, die Beine sind gestreckt und stehen hüftbreit auseinander, wobei die Füsse flach auf dem Boden stehen mit den Fersen fest am Boden geerdet. Achte darauf, mit dem Bauch nach innen zu atmen, um die Bauchmuskeln sanft zu trainieren.
Die Haltung des herabschauenden Hundes lockert die Wirbelsäule und sorgt für Entspannung.

Haltung 2 / Krieger II

Stell dich aufrecht hin, ein Bein im Ausfallschritt nach vorne, das andere nach hinten gestreckt. Der Oberkörper befindet sich auf einer Linie mit den Hüften. Die auf Schulterhöhe angehobenen Arme sind bis in die Fingerspitzen gestreckt. Die Handflächen weisen zum Boden, jeweils über den Füssen. Die Wirbelsäule ist dabei lang gestreckt und gedehnt.

Bei Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten, oder um das Becken auszurichten, kannst du dir eine Wand zur Hilfe nehmen. Wechsele das Bein nach einigen Minuten: Das Bein, das im Ausfallschritt war, wechselt nach hinten und umgekehrt.

Haltung 3 / Zange

Mit nach vorn gestreckten Beinen sitzt du aufrecht mit geradem Rücken, die Schultern hängen nach unten. Beuge den Oberkörper nach vorne und greife mit den Händen - soweit möglich - nach den Füssen.

Haltung 4 / Kobra

Auf dem Boden, flach auf dem Bauch liegend. Die Beine sind gestreckt, die Arme angewinkelt und die Handflächen liegen seitlich auf Brusthöhe auf dem Boden. Dann richtest du den Oberkörper auf, der Kopf und der Blick sind zum Horizont gerichtet.

Position 5 / halbe Wirbelsäulendrehung

Setz dich hin, ein Bein mit geflextem Fuss gestreckt, das andere leicht angewinkelt, zum Oberkörper gezogen und den Fuss flach auf den Boden gestellt. Drehe den Oberkörper in Richtung des angewinkelten Beins. Der diesem Bein gegenüberliegende Arm ergreift das Knie. Der andere Arm ist angewinkelt, die Hand befindet sich auf Hüfthöhe. Der Kopf und der Blick sind nach hinten gerichtet.

Kehre die Haltung nach ein paar Minuten um, um die andere Seite zu trainieren.

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